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20.03.2012
Ergebnisse des Expertenchats: ADHS bei Kinder
"Hyperaktiv oder einfach nur lebhaft"?
Anfang März begrüßten wir Gudrun Mahlert-Heinrich und Stefanie Richter im Expertenchat. Sie führen gemeinsam eine Psychotherapie Praxis in Berlin und sind spezialisiert auf die Beratung von Eltern mit ADHS-Kindern.
Drei bis fünf Prozent der deutschen Kinder leiden unter ADHS. Professionelle Hilfe in Form von Verhaltenstherapie und Medikamenten ist oft der einzige Weg, den betroffenen Eltern das Leben zu erleichtern. Doch viele Familien scheuen sich vor der Gabe von Ritalin. Auch die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Chats interessierte besonders die Medikation und die möglichen Alternativen dazu.
Die Expertin rät Eltern zunächst einmal, ihr Kind möglichst nicht unnötigen Arztbesuchen auszusetzen, sobald die Diagnose klar ist. Das könne für das Kind belastend sein. Wichtig ist dann vielmehr, dass die Therapie zeitnah begonnen wird.
Medikamente, wie Ritalin, lehnt sie nicht ab. Die medikamentöse Therapie gelte schließlich als "Goldstandard" in der Therapie von ADHS. Allerdings rät sie dazu, immer genau abzuwägen, wann Medikamente sinnvoll sind. Unbedingt empfehlenswert seien Medikamente, wenn bereits größere Defizite oder Begleitstörungen in Folge des ADHS vorliegen. Frau Richter appelliert: „Die medikamentöse Therapie immer unter Einbeziehung einer Verhaltenstherapie einsetzen - nie als alleinige Maßnahme.“
Der schlechte Ruf von Ritalin sei jedoch unbegründet. Der Wirkstoff Methylphenidat werde bereits seit den siebziger Jahren eingesetzt und Langzeitstudien haben Spätfolgen, wie Wachstumsstörungen oder Abhängigkeiten, ausgeschlossen. Nebenwirkungen, wie Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust, lassen innerhalb weniger Monate wieder nach, beruhigt die Expertin. Ein alternativer Wirkstoff, der bei ADHS helfen kann, ist Atomoxetin. Dieser werde aber eher bei „ADSlern mit Störungen des Sozialverhaltens und der Emotionen eingesetzt, bzw. wenn Methylphenidat nicht die erwünschte Wirkung zeigt.“
Nichtmedikamentöse und alternative Behandlungsmöglichkeiten waren ebenfalls Thema des Chats. Frau Richter konnte bei der Behandlung mit homöopathischen Mitteln, wie Omega-3-Fettsäuren, Zappelin und Esperitox, jedoch keinen positiven Effekt feststellen. Die Behandlung mit Neurofeedback hat die Expertin zwar selbst noch nicht getestet, bewertet sie aber bei Einzelfällen als möglicherweise interessant, auch wenn die Therapieform nicht in den AWMF Leitlinien zur Behandlung von ADHS aufgeführt ist. Neurofeedback ist eine Art der Konditionierung und kann unter Umständen die Konzentration verbessern
Ein wichtiges Thema bei ADHS-Kindern ist die Schule. Die Lehrer sind für die Entwicklung der Kinder wichtig, da sie einen Großteil des Tages mit den Kindern verbringen und oft großen Einfluss auf sie haben. Frau Richter hält es deshalb für wichtig, dass ADHS-Kinder in der Schule vorne sitzen und direkt Feedback von ihrem Lehrer erhalten können. „Klare Regeln und feste Rituale sollten auch im Schulalltag etabliert werden“, meint die Expertin. Lehrer können außerdem an Fortbildungen teilnehmen und sich unter www.zentrales-adhs-netz.de informieren.
Lehrer haben zudem die Möglichkeit, die Leistung von ADHS-Kindern anders zu bewerten. Ihnen steht nach § 35a SGB ein Nachteilsausgleich zu. „Das heißt, den Kindern kann mehr Zeit oder auch zusätzliches Hilfsmaterial zur Verfügung gestellt werden. Auch könnten bei ADS-Kindern mündliche Arbeiten im Vordergrund der Bewertung stehen“, erklärt die Expertin.
Generell können Eltern ihren Kindern helfen, indem sie den Alltag stark strukturieren und ritualisieren: „Jedes automatisierte Verhalten benötigt keine Aufmerksamkeit.“ Frau Richter erläutert dies am Beispiel Autofahren: Beim Schalten und Kuppeln denken Sie schließlich auch nicht darüber nach und haben so mehr Aufmerksamkeit für anderes. Bei den Kindern kann dies zum Beispiel das tägliche Üben des Ranzenpackens sein. Wenn dies immer nach dem gleichen Schema abläuft, geht es irgendwann immer besser. Es gibt außerdem das so genannte Marburger Programm zur Konzentrationsförderung, das von Ergotherapeuten durchgeführt werde.
Abschließend macht Frau Richter den Eltern Mut: „Ihre Kinder haben auch sehr viele positive Ressourcen, die häufig in der Literatur zu kurz kommen. Die Kinder sind in der Regel sehr hilfsbereit und sozial und haben häufig sehr musische und kreative Begabungen. Und wie uns die Vergangenheit an vielen starken Persönlichkeiten gezeigt hat, kann ADHS durchaus hilfreich.
Drei bis fünf Prozent der deutschen Kinder leiden unter ADHS. Professionelle Hilfe in Form von Verhaltenstherapie und Medikamenten ist oft der einzige Weg, den betroffenen Eltern das Leben zu erleichtern. Doch viele Familien scheuen sich vor der Gabe von Ritalin. Auch die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Chats interessierte besonders die Medikation und die möglichen Alternativen dazu.
Die Expertin rät Eltern zunächst einmal, ihr Kind möglichst nicht unnötigen Arztbesuchen auszusetzen, sobald die Diagnose klar ist. Das könne für das Kind belastend sein. Wichtig ist dann vielmehr, dass die Therapie zeitnah begonnen wird.
Medikamente, wie Ritalin, lehnt sie nicht ab. Die medikamentöse Therapie gelte schließlich als "Goldstandard" in der Therapie von ADHS. Allerdings rät sie dazu, immer genau abzuwägen, wann Medikamente sinnvoll sind. Unbedingt empfehlenswert seien Medikamente, wenn bereits größere Defizite oder Begleitstörungen in Folge des ADHS vorliegen. Frau Richter appelliert: „Die medikamentöse Therapie immer unter Einbeziehung einer Verhaltenstherapie einsetzen - nie als alleinige Maßnahme.“
Der schlechte Ruf von Ritalin sei jedoch unbegründet. Der Wirkstoff Methylphenidat werde bereits seit den siebziger Jahren eingesetzt und Langzeitstudien haben Spätfolgen, wie Wachstumsstörungen oder Abhängigkeiten, ausgeschlossen. Nebenwirkungen, wie Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust, lassen innerhalb weniger Monate wieder nach, beruhigt die Expertin. Ein alternativer Wirkstoff, der bei ADHS helfen kann, ist Atomoxetin. Dieser werde aber eher bei „ADSlern mit Störungen des Sozialverhaltens und der Emotionen eingesetzt, bzw. wenn Methylphenidat nicht die erwünschte Wirkung zeigt.“
Nichtmedikamentöse und alternative Behandlungsmöglichkeiten waren ebenfalls Thema des Chats. Frau Richter konnte bei der Behandlung mit homöopathischen Mitteln, wie Omega-3-Fettsäuren, Zappelin und Esperitox, jedoch keinen positiven Effekt feststellen. Die Behandlung mit Neurofeedback hat die Expertin zwar selbst noch nicht getestet, bewertet sie aber bei Einzelfällen als möglicherweise interessant, auch wenn die Therapieform nicht in den AWMF Leitlinien zur Behandlung von ADHS aufgeführt ist. Neurofeedback ist eine Art der Konditionierung und kann unter Umständen die Konzentration verbessern
Ein wichtiges Thema bei ADHS-Kindern ist die Schule. Die Lehrer sind für die Entwicklung der Kinder wichtig, da sie einen Großteil des Tages mit den Kindern verbringen und oft großen Einfluss auf sie haben. Frau Richter hält es deshalb für wichtig, dass ADHS-Kinder in der Schule vorne sitzen und direkt Feedback von ihrem Lehrer erhalten können. „Klare Regeln und feste Rituale sollten auch im Schulalltag etabliert werden“, meint die Expertin. Lehrer können außerdem an Fortbildungen teilnehmen und sich unter www.zentrales-adhs-netz.de informieren.
Lehrer haben zudem die Möglichkeit, die Leistung von ADHS-Kindern anders zu bewerten. Ihnen steht nach § 35a SGB ein Nachteilsausgleich zu. „Das heißt, den Kindern kann mehr Zeit oder auch zusätzliches Hilfsmaterial zur Verfügung gestellt werden. Auch könnten bei ADS-Kindern mündliche Arbeiten im Vordergrund der Bewertung stehen“, erklärt die Expertin.
Generell können Eltern ihren Kindern helfen, indem sie den Alltag stark strukturieren und ritualisieren: „Jedes automatisierte Verhalten benötigt keine Aufmerksamkeit.“ Frau Richter erläutert dies am Beispiel Autofahren: Beim Schalten und Kuppeln denken Sie schließlich auch nicht darüber nach und haben so mehr Aufmerksamkeit für anderes. Bei den Kindern kann dies zum Beispiel das tägliche Üben des Ranzenpackens sein. Wenn dies immer nach dem gleichen Schema abläuft, geht es irgendwann immer besser. Es gibt außerdem das so genannte Marburger Programm zur Konzentrationsförderung, das von Ergotherapeuten durchgeführt werde.
Abschließend macht Frau Richter den Eltern Mut: „Ihre Kinder haben auch sehr viele positive Ressourcen, die häufig in der Literatur zu kurz kommen. Die Kinder sind in der Regel sehr hilfsbereit und sozial und haben häufig sehr musische und kreative Begabungen. Und wie uns die Vergangenheit an vielen starken Persönlichkeiten gezeigt hat, kann ADHS durchaus hilfreich.

