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Gesundheit18.09.2020
Umgang mit Unsicherheit

Die Form von Stress hat sich in den letzten Jahrhunderten stark gewandelt. Wir sind in Büros und Betrieben mit entsprechenden betrieblichen Stressoren beschäftigt und werden mit persönlichen, gesundheitlichen oder auch gesellschaftlichen Krisen konfrontiert.

Die Handlungsphase (früher Flucht oder Kampf) bleibt heutzutage meist aus, weil auch die Stressauslöser andere sind als früher. Dadurch verharren wir in der Stresssituation und bleiben auf einem viel zu hohen Erregungspotenzial sitzen, wodurch das natürliche Gleichgewicht von Anspannung und Entspannung gestört ist. Wir können zwar daran arbeiten, Auslöser für Stress zu reduzieren, jedoch können wir sie nicht gänzlich vermeiden. Daher ist es hilfreich, aufgestaute Energie und Erregung wieder abzubauen und uns gleichzeitig unsere Gedanken und Bewertung von Situationen bewusst zu machen und zu überprüfen.

Stress läuft dabei auf drei Ebenen ab. Diese sind maßgebend, wenn es später um die Entwicklung von Bewältigungsstrategien geht.

  • Ebene A
    Zunächst gibt es einen Reiz von außen (Stressor). Dieser ist zunächst der Auslöser dafür, dass wir in Stress geraten, z. B. eine neue herausfordernde Aufgabe. Es gilt, diesen Stressor zu identifizieren.
  • Ebene B
    Unsere persönliche Bewertung der Situation/des Auslösers ist dafür verantwortlich, wie unsere Stressreaktion ausfällt. So kann es sein, dass wir uns in Gedanken schlimme Szenarien ausmalen, die am Ende dann doch nicht so eintreten.
  • Ebene C
    Dieser Stressor von außen ist in der Regel gefolgt von einer Konsequenz, einer Reaktion unsererseits auf eben diesen Reiz. Es können z.B. emotionale Reaktionen (Wut) und Handlungen (Hektik) aber auch Wahrnehmungsfokussierungen sein, die bei jedem individuell sind.

Tagtäglich werden wir mit Situationen konfrontiert, die undurchsichtig, sehr komplex oder widersprüchlich sind: Wird es meinen Job in ein paar Jahren noch geben? Bewältigen wir die Folgen der Erderwärmung?

Ungewissheit und Mehrdeutigkeit sind keine Erfindungen der modernen Zeit. Doch heute erscheint uns die Welt „überwältigender und chaotischer als jemals zuvor“, sodass das Verlangen nach einer raschen Antwort entsteht. Mit Unsicherheit umzugehen, entwickelt sich immer mehr zu einer zentralen Fähigkeit. Gelegentlich können wir uns darauf berufen unseren Verstand auszuschalten, überzeugt davon, dass unser momentanes Wissen schon ausreicht. Dies birgt die Chance, in unsicheren Situationen schneller handeln zu können und auf Basis von Erfahrungen zu entscheiden.

Die folgenden Schritte können Sie dabei unterstützen, die Unsicherheit zu durchbrechen:

1. WahrnehmungAngst in ihrer universellen Erscheinungsform erkennen (z.B. Rückzug, Neid, Verlustangst, etc.).

2. Intensität regulierenAngst und irrationale Befürchtungen (z.B. „Ich werde wie immer scheitern“) zu benennen reduziert die Intensität.

3. ReinterpretationPhysiologische Erregung ist nicht gefährlich, sondern hilfreich (z.B. Neubewertung: „Das Thema ist mir wichtig“).

4. Botschaft entschlüsselnDas „Warum“ hinter der Angst erkennen (Fragen wie z.B. „In welchen Bereichen fühle ich mich gefangen?“).

In Zeiten der Unsicherheit ist es von besonderer Bedeutung, den Fokus auf die kleinen Dinge zu lenken und sich selbst gut zu behandeln:

  • Seien Sie nachsichtiger mit sich selbst
  • Fühlen und zeigen Sie Dankbarkeit
  • Beobachten Sie: Konzentration auf die Umgebung
  • Laden Sie heitere Gedanken ein
  • Atmen Sie ruhig
  • Beruhigen Sie Ihren Körper
  • Leben Sie Gesund: Sport, Ernährung, Schlaf

Quelle: Nussbaum, M. (2020): Psychologie heute Mut zur Angst

Warten unter Unsicherheit ist eine sehr belastende Erfahrung voller Sorgen. Menschen die einen Flow erleben (wenn sie sich also komplett in eine Tätigkeit vertiefen), haben das unbewusste Gefühl, dass die quälende Zeit des Wartens schneller vorbei zu gehen scheint.

Sollten Ihre Tage sich gerade leer anfühlen, Sie sich in einem Wartezustand voller Unsicherheit befinden, dann fragen Sie sich:

  • Bei welchen Tätigkeiten haben Sie den Eindruck ganz in dem aufzugehen, was Sie gerade tun?
  • Wobei haben Sie Freude und den Eindruck, Ihr Tun geht Ihnen fast mühelos von der Hand?
  • Was hilft Ihnen dabei, in diesem Zustand zu bleiben?

Und was ist, wenn die Angst plötzlich kein Feind mehr ist?

Die Veränderung des Bewertungsprozess ermöglicht es in manchen unsicheren Situationen eine Chance der persönlichen Weiterentwicklung zu sehen. Denn wenn Sie die Angst annehmen, verstehen und lernen, mit ihr umzugehen, werden Sie daran wachsen und Sich weiterentwickeln.

Quellen:

  • Metzger, J. (2020): Psychologie heute: Im Flow vergisst man seine Corona-Sorgen; nach Seligman, M. E. P. (2012): Flourish: A Visionary New Understanding of Happiness and Well-being; NY: Simon and Schuster
  • Nussbaum, M. (2020): Psychologie heute Mut zur Angst
  • Schäfer, A. (2020): Psychologie heute: Mut zur Unsicherheit

Der Fließtext dieses Blog-Beitrags wurde zur Verfügung gestellt von:

Team Gesundheit
Gesellschaft für Gesundheitsmanagement mbH
www.teamgesundheit.de

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